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Glendronach 12 – die Oloroso-Sherry-Blüte, die überraschend günstig geblieben ist

Von François Reeves

Die älteren Abfüllungen von Glendronach haben sich dank ihrer intensiven Reifung in spanischen Sherryfässern einen regelrechten Kultstatus erarbeitet. Der 12-Jährige verkörpert denselben Hausstil – bei halbem Alter und zu einem Bruchteil des Preises. Ein bemerkenswertes Angebot.

Glendronach befindet sich heute im Besitz seines achten Eigentümers seit der Gründung und hat allein in den vergangenen zwanzig Jahren dreimal den Besitzer gewechselt. Die Brennerei war von 1996 bis 2002 geschlossen und galt bis 2008 als eher unauffällige Highland-Destillerie, die vor allem für ihre in Sherryfässern gereiften Bestände bekannt war – allerdings hauptsächlich unter Branchenkennern.

Das änderte sich, als Billy Walkers BenRiach-Gruppe die Brennerei übernahm und begann, Oloroso-Single-Casks sowie PX-veredelte Abfüllungen auf den Markt zu bringen. Diese fanden rasch eine begeisterte Anhängerschaft. Als Brown-Forman Glendronach 2016 übernahm, hatten die älteren Abfüllungen – der 18-jährige Allardice (benannt nach Gründer James Allardice, der 1826 eine der ersten Brennereilizenzen Schottlands erhielt), der 21-jährige Parliament sowie zahlreiche Fassabfüllungen – längst Kultstatus erreicht. Ähnlich wie Macallan in den 1990er-Jahren beruhte dieser Ruf vor allem auf der Qualität des Whiskys und nicht auf geschicktem Marketing.

Der 12-Jährige bildet den Einstieg in diese Welt. Dieselbe Handschrift der spanischen Eiche, dieselben Aromen von dunklen Früchten, Nüssen und Sherry – lediglich in einer jüngeren Ausprägung.

Nach der Logik praktisch jeder Kultdestillerie hätte die Einstiegsabfüllung längst vom Glanz der älteren Jahrgänge profitieren und preislich deutlich aufgewertet werden müssen. Genau das geschah beim Macallan 12, beim Springbank 10 und bei praktisch jeder Abfüllung, die jemals mit Karuizawa in Verbindung gebracht wurde.

Bei Glendronach geschah das nicht.

Der 12-Jährige kostet heute ungefähr so viel wie ein gewöhnlicher zwölfjähriger Highland Single Malt eines mittelgroßen Herstellers – ohne jeden Kultaufschlag.

Bemerkenswert ist dabei, dass diese Preisdisziplin nicht trotz des Konzerns besteht, sondern gerade wegen seiner Haltung. Die amerikanische Brown-Forman Corporation besitzt keinerlei schottisches Erbe, das sie bewahren müsste, und hätte allen wirtschaftlichen Anreiz, den Kultstatus maximal auszuschöpfen: limitierte Jahreseditionen, künstliche Verknappung oder eine Luxus-Neupositionierung der Kernrange.

Doch genau das hat das Unternehmen nicht getan.

Glendronach wird weitgehend so geführt, wie Brown-Forman die Brennerei übernommen hat: kräftiger Sherrycharakter, keine Marketing-Inszenierungen, ein 12-Jähriger, der in ausreichenden Mengen produziert und ohne großes Aufsehen verkauft wird. Die Nachfrage der Sammler und Enthusiasten konzentriert sich dadurch ganz natürlich auf die älteren Abfüllungen und Einzelfässer – dort, wo die tatsächliche Knappheit liegt.

Genau das macht die Geschichte so ungewöhnlich.

Wenn eine Brennerei Teil eines großen Konzerns wird – sei es Diageo, Edrington oder LVMH –, erwartet man in der Regel, dass die Marke stärker monetarisiert wird: höhere Preise, eine ausgedünnte Kernrange und eine Einstiegsabfüllung, die den Prestigeeffekt der Spitzenprodukte abschöpfen soll.

Glendronach ist eines der seltenen Gegenbeispiele. Hier hat sich der Eigentümer dafür entschieden, die Tradition weitgehend unangetastet zu lassen. Der 12-Jährige zeigt eindrucksvoll, wie sich diese Entscheidung im Regal bemerkbar macht.

Wer verstehen möchte, warum Glendronach unter Whiskyliebhabern einen solchen Ruf genießt, ohne dafür Sammlerpreise bezahlen zu müssen, sollte genau hier beginnen.

Der Charakter des Hauses steckt unverändert in dieser Flasche – trotz aller Eigentümerwechsel. Die Brennerei, der Dronac Burn und das über Generationen weitergegebene Know-how haben ihre Identität bewahrt. Und diesmal hatten die Eigentümer die Disziplin, genau das zuzulassen.